Ein 20 Euro Server mit Debian: Seagate FreeAgent Dockstar

Ein Server für 20 Euro? Da stimmt doch etwas nicht. Wie schon bei anderen eingebetteten Systemen vorher, etwa dem Linksys NSLU2 oder dem ASUS WL-500g, lässt sich auf der Dockingstation von Seagate auch ein Linux installieren und diese dann als Server einsetzen. Wie das geht und welche Fallstricke es dabei gibt, wird im folgenden Beitrag erklärt.

Die möglichen Einsatzzwecke für einen sehr stromsparenden kleinen Server sind quasi unbegrenzt. Vom Druckerserver, über den kleinen Fileserver, bis hin zu dynamischen Webseiten kann die Dockstar mit Debian eingesetzt werden. Einsatzbereiche, für die der Hersteller das Gerät sicher nicht vorgesehen hat.

Seagate FreeAgent Dockstar
Seagate FreeAgent Dockstar, oben im Bild

Dockstar Hardware

Die Dockstar basiert auf der ARM-Plattform und ist insbesondere fast baugleich zu einem der neuen Steckdosencomputer, dem Sheevaplug. Allein die Hardwareausstattung fällt etwas kleiner aus.

  • Prozessor: Marvell 88F6281 SoC mit 1,2 GHz (basiert auf Sheeva-Technik)
  • Arbeitsspeicher: 128 MB DDR2
  • Flash: 256 MB NAND
  • Anschlüsse: 3x USB 2.0, 1x Mini-USB 2.0, 1x Gigabit Ethernet
  • Der Prozessor verfügt über 32 KB Level-1 Cache und 256 KB Level-2 Cache. Die Leistung soll mit einem Intel x86 Prozessor mit 600 Mhz vergleichbar sein. Mit etwas Geschick lässt sich auch ein serieller Port nachrüsten, um noch bessere Kontrolle über diesen kleinen „Server“ zu erhalten.

    Leider ist das Gerät nur für den Einsatz mit dem Pogoplug-Dienst vorbereitet. Das soll geändert werden und die Dockstar mit Debian GNU/Linux bespielt werden. Am einfachsten kann das mit einem USB-Stick, auf dem Debian installiert wird, erreicht werden.

    Erster Start

    Bevor das Gerät zum ersten mal in Betrieb genommen wird, muss der Pogoplug-Dienst und das automatische Abfragen von neuer Firmware deaktiviert werden. Man sollte auf gar keinen Fall die Dockstar mit funktionierendem DHCP-Server und Internetzugang in Betrieb nehmen!

    Also muss sichergestellt werden, dass der Internetzugang kurzzeitig deaktiviert ist, indem der Router vom Modem getrennt wird. Dann kann die Dockstar mit dem Router oder einem anderen Server der IP-Adressen per DHCP anbietet, verbunden und eingeschaltet werden.

    Der Startvorgang der Dockstar dauert ungefähr zwei Minuten während dem die vorne angebrachte LED den Status angibt.

  • LED: Aus – Dockstar ist ausgeschaltet
  • LED: Grün, blinkt – Bootloader der Dockstar ist aktiv
  • LED: Orange, blinkt – Linux der Dockstar startet
  • Sollte die LED dauerhaft grün leuchten, konnte die Dockstar eine Internetverbindung herstellen. In diesem Fall sollte die Dockstar sofort ausgeschaltet werden. Ist keine Internetverbindung verfügbar, leuchtet die LED permanent orange. In diesem Zustand soll sich die Dockstar befinden, bevor die Einrichtung fortgesetzt werden kann.

    Ist das System gestartet, muss die IP-Adresse der Dockstar über das Routermenü, die DHCP-Server Leases-Datei, oder durch einen Scan des LANs gefunden werden. Ist die IP-Adresse bekannt, kann auf die Dockstar per ssh zugegriffen werden.

    $ ssh root@dockstarIP # Mit Passwort stxadmin
    

    Firmware-Update unterbinden

    Um das Firmware-Update und die dadurch entstehenden Probleme zu verhindern, muss in der Datei /etc/init.d/rcS die Zeile, die /init.d/hbmgr.sh start enthält mit einem #-Zeichen auskommentiert werden. Auf der Dockstar steht der Editor vi zur Verfügung (vi Befehlsübersicht). Vor dem Ändern der Datei muß der Wurzeldateisystem beschreibbar eingebunden werden. Das erreicht man durch den Befehl mount -o remount,rw /.

    USB-Stick vorbereiten

    Der USB-Stick kann jetzt sowohl direkt an die Dockstar angeschlossen werden, oder auf einem anderen Linux-Computer vorbereitet werden. Wichtig ist dabei, dass der USB-Stick eine MBR-Partitionstabelle erhält (meist der Fall) und dass die Partitionen den Anforderungen des Bootstrap-Skripts entsprechen. Wird der USB-Stick auf der Dockstar formatiert, sollte er als einziges Gerät angeschlossen sein, so dass sichergestellt ist, dass der Stick als sda erkannt wird. Gegebenenfalls kann dafür die Ausgabe des Befehls dmesg oder der Inhalt der Datei /proc/partitions geprüft werden. Danach den USB-Stick mittels fdisk auf der Dockstar, oder cfdisk auf einem Linux-Computer wie folgt formatieren:

  • sda1 – Wurzeldateisystem „/“, Partitionstyp 83
  • sda2 – Auslagerungsspeicher „swap“, Partitionstyp 82
  • Sollten mehr als zwei Partitionen notwendig sein, können diese nach der Debian-Installation aus dem gestarteten System angelegt werden. Die Größe für das Wurzeldateisystem sollte über 512 MB liegen. Die Auslagerungsdatei sollte je nach Dienst ungefähr 256 MB groß sein.

    Debian GNU/Linux installieren

    Wenn der USB-Stick wie erforderlich eingerichtet und angeschlossen ist, verbindet man sich mit der Dockstar und kann entweder Debian GNU/Linux „lenny“ (stable), die aktuelle stabile Version, oder die nächste noch nicht freigegebene Version „squeeze“ (testing) installieren. Dafür verbindet man sich per ssh mit der Dockstar und gibt je nach gewählter Distribution die folgenden Befehle ein:

    Dockstar „squeeze“

    cd /tmp
    wget http://jeff.doozan.com/debian/dockstar.debian-squeeze.sh
    chmod +x dockstar.debian-squeeze.sh
    export PATH=$PATH:/usr/sbin:/sbin
    ./dockstar.debian-squeeze.sh
    

    Dockstar „lenny“

    cd /tmp
    wget http://jeff.doozan.com/debian/dockstar.debian-lenny.sh
    chmod +x dockstar.debian-lenny.sh
    ./dockstar.debian-lenny.sh
    

    Die Dauer der Installation nach Start des Bootstrap-Skripts hängt sowohl von der Geschwindigkeit des USB-Sticks, als auch der Internetanbindung ab. Es müssen ungefähr 150 MB an Daten geladen und entpackt werden.

    Während der Installation wird auch der Bootmanager der Dockstar (uBoot) durch eine neue Version ersetzt, da die installierte Version stark veraltet ist und den Startvorgang von USB-Sticks erschwert.

    Sobald die Installation abgeschlossen ist, kann die Dockstar mittels dem Befehl reboot neugestartet werden. Hat man diese Anleitung befolgt, startet jetzt ein Debian. Ein SSH-Server wartet auf Verbindungen. Das Passwort für den Benutzer root lautet root und sollte sofort geändert werden.

    Nach der Installation

    Jetzt läuft ein Debian und die Dockstar kann als vollwertiger, wenn auch kleiner Server betrieben werden. Einen großen Vorteil im Vergleich zu vielen anderen Servern bringt das so eingerichtete System mit, der nicht unerwähnt bleiben soll. Startet das installierte Debian nicht mehr, genügt es, den USB-Stick zu entfernen und die Dockstar kurz vom Strom zu trennen. Das Linux im NAND-Speicher startet, bezieht eine IP-Adresse per DHCP und bietet so ein rudimentäres Rettungssystem mit SSH-Zugriff.

    Werden Festplatten an die USB-Steckplätze angeschlossen, kann es auch Sinn machen, die Dockstar auf maximalen Durchsatz bei sequentiellen Datenübertragungen zu optimieren. Mehr dazu in meinem Artikel „Maximaldurchsatz für die Dockstar„.

    Dankeschön an Jeff Doozan, für die Entwicklung und Bereitstellung des Debian Bootstrap-Skripts.

    18 Kommentare

    Max 20. September 2010 Antworten

    Hallo!

    Danke für die Anleitung! Hast du den Stromverbrauch von dem Mini-Server schon gemessen?

    Viele Grüße,
    Max.

    Lonesome Walker 20. September 2010 Antworten

    YES, wieder was zum Spielen ^^
    Die NSLU2 ist ja schon bissel in die Jahre gekommen, da bietet es sich doch an, mal eine Dockstar auszuprobieren 🙂

    josen 20. September 2010 Antworten

    Hallo,

    nein ausser mit einem guenstigen Strommessgeraet von ALDI habe ich den Stromverbrauch noch nicht gemessen. Diese Geraete sind bei kleinem Verbrauch extrem unpraezise, darum sind die Werte mit Vorsicht zu geniessen:

    Stromverbrauch im Leerlauf: 3,9 Watt
    Stromverbrauch unter Volllast mit einem 16 GB USB-Stick und einer 2,5″ S-ATA Festplatte: 5,2 Watt

    Gemessen jeweils mit init=/bin/bash fuer Leerlauf und stress fuer Volllast.

    Gruesse

    kostaki 20. September 2010 Antworten

    Sehr geile Sache! Ich hatte mir vor 6 Jahren auch mal einen Stromsparrechner gebaut, aber der hat mehr als 20x so viel gekostet. :thumbsup

    Max 23. September 2010 Antworten

    Hallo!

    Wow, das ist wirklich nicht viel, selbst wenn das ALDI-Gerät sehr unpräzise sein sollte.

    Danke für die Info,
    Max.

    josen 23. September 2010 Antworten

    Hallo,

    damit das Gerät auf meiner Arbeit in Betrieb genommen werden darf, musste es eine komplette Prüfung nach VDE über sich ergehen lassen. Das Ergebnis:

    Das Gerät darf nach Schutzklasse 2 (ich meine VDE 0140-1) eingesetzt werden. Es verbraucht im Leerlauf 4 Watt und unter Last 5 Watt. Das allerdings ohne angeschlossene Geräte. Die Energieeffizienz des Netzteils liegt unter 50%.

    Gemessen wurde das von unserem speziell dafür geschulten Mitarbeiter an dem dafür vorgeschriebenen Messgeräten, meiner Ansicht nach sehr zuverlässig.

    Na gut, sinds also 5 Watt. Kann man mit leben.

    Grüße

    JP 28. September 2010 Antworten

    Gibts zur DockStar noch weitere Tutorials in Zukunft. Ich hätte z.B. interesse daran wie man lighttpd + PHP optimal auf dem Ding aufsetzt. Es funktioniert zwar soweit, aber andere bekommen es hin, dass deren Server auf der DockStar 3x so schnell ist wie meiner im LAN.

    josen 28. September 2010 Antworten

    Hallo,

    ich habe dir eine Mail an die angegebene Adresse zu dem Thema geschrieben.

    EDIT:
    Aus deinen Informationen habe ich einen Testfall mit Benchmark und Empfehlung gemacht. Schaus dir einfach mal an:
    http://falkhusemann.de/blog/2010/09/minimale-antwortzeit-fur-webanwendungen-auf-der-seagate-dockstar/

    Grüße

    Nik 2. Oktober 2010 Antworten

    Sehr hübsche Anleitung, die DOckstar tauchte letzte Woche bei einer durchhackten Nacht auf und da habe ich mir doch gleich auch mal eine besorgt ;).

    Ich habe das System jetzt schon zwei mal neu installiert, weil nach spätestens zwei Reboots das USB-Debian nicht mehr wollte. Als Auslöser reichte beim ersten Mal ein „apt-get install less“ …

    Geloggt wird leider nichts, deshalb vermute ich, dass das Mounten des Root-Dateisystems schon knallt. Aus dem „Rettungssystem“ oder an einem anderen System lässt es sich jedoch problemlos einhängen …

    Irgendwelche Ideen?

    Pingback: Anonymous
    isch 27. Oktober 2010 Antworten

    Tolle Anleitung, hab eine NSLU2. Wäre ein super Ersatz, aber 20 Euro wo gibt es das teil für den Preis. Hab es ab 50 Euro gefunden.

    blacky49 29. Oktober 2010 Antworten

    Das war mal! Nur noch direkt in den USA für kleines Geld + Versand ca. 35 Euro…..

    josen 29. Oktober 2010 Antworten

    Hallo Bernd,

    na dann gib uns deine Quelle preis. Ich bin sicher nicht der Einzige, der sich für den günstigsten Preis der Dockstar interessiert.

    Grüße

    Sven 12. November 2010 Antworten

    Bin nun gestern endlich dazu gekommen, die erste meiner beiden schon vor Wochen (und noch zu 25 EUR ;)) erworbenen Dockstar final in Betrieb zu nehmen. Danke nochmal für die Anleitung, welche mir nicht nur einen deutlich geringeren Stromverbrauch bringt, sondern gestern sogar dafür genutzt wurde, den verreckten alten Server (HDD-Fail) schnell zu ersetzen.

    Ein paar Bilder und Wörter hier: http://gibts-doch-garnicht.posterous.com/david-gegen-goliath (manuelles Trackback)

    Michael 13. Dezember 2015 Antworten

    Hurra!
    Nach nur 5 Jahren habe ich diese Anleitung gefunden, ich bin ein Held 😉 !
    Nur leider funktioniert das ganze bei mir nicht. Schon der Versuch per putty ssh Kontakt aufzunehmen endet in eine lapidaren „Network Error Connection refused.“ :-((
    Auch ein Betätigen des Reset-Buttons brachte keine Hilfe.
    Falls also noch irgendjemand hier mitlesen sollte, help appreciated.

    VG
    Michael

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